Stadtrecherche Post No. 2
„Herzblatt für die rastlose Intelligenz“, so nannten die beiden Gründer der Stadtrevue, Rudi Rau und Rolf Henke, das Magazin in der Nullnummer. Die erschien im Oktober 1976. Auch 50 Jahre später ist da offenbar immer noch was dran. Denn wie sonst lässt sich erklären, dass mittlerweile 340 Freunde und
Unterstützerinnen insgesamt 700 Anteile an der Stadtrevue Genossenschaft erworben haben, Anteile zu jeweils 250 Euro? Ohne ein gewisses Maß an Zuneigung geht das nicht.
Und natürlich ist da auch Vernunft im Spiel. Denn dass Monokultur mit fatalen Folgen verbunden ist, gilt nicht nur für die Landwirtschaft, sondern auch für die Presselandschaft. Ganz anschaulich wurde das jetzt in Köln: Ohne Vorankündigung erfuhren rund 30 Redakteur*innen und Medienschaffenden der Kölnischen Rundschau auf einer Betriebsversammlung, dass ihnen zum Ende März 2026 gekündigt wird. Von der Rundschau bleibt damit nur noch der Titel, den der DuMont-Verlag vom Heinen-Verlag übernimmt. Zwei Wochen zuvor war in den Redaktionsräumen der Rundschau noch mit Dreigestirn und
viel Lokalprominenz Wieverfastelovend gefeiert worden. Kölle Alaaf! Im Kölner Stadt-Anzeiger vom 27. 02. heißt es: „Die Kölner Stadt-Anzeiger Medien übernehmen die vollständige redaktionelle Verantwortung und führen die journalistische Arbeit mit ihrem eigenen Team durch.“ Und jetzt kommt der verlegerische Zaubertrick: „Die Marke Kölnische Rundschau bleibt eigenständig – mit eigener Haltung und eigener journalistischen Ausrichtung.“ Die gleichen Leute sollen also ihre Artikel zweimal schreiben – einmal für das Kölner Großstadt-Publikum und einmal für die etwas konservative Leserschaft im Umland? Oder werden nur die Überschriften ausgetauscht – und dann, je nach Laune der Verleger, wieder die Leute?
Es bleibt die Stadtrevue als einzige konzernunabhängige Zeitschrift vor Ort. Dafür hat die Genossenschaft nun eine gute Grundlage geschaffen. Damit wurde auch wieder ein kleines Stück Meinungsvielfalt gesichert. Die Umstände bleiben aber herausfordernd: Unterstützt wird die Stadtrevue von uns, dem Förderverein Stadtrecherche e.V., und der lebt von Mitgliedsbeiträgen und Spenden. Steuerlich abzugsfähig sind diese Zahlungen aber nicht. Die Förderung von unabhängigem Lokaljournalismus wird nämlich vom Gesetzgeber und den Finanzämtern nicht als gemeinnützig anerkannt. Zu den förderungswürdigen Zwecken gehören dagegen laut Åò 52 AO zum Beispiel die Heimatpflege und die Ortsverschönerung oder die Soldaten- und Reservistenbetreuung, der
Amateurfunk, der Modellflug und der Hundesport.
Der Stadtrecherche e.V. ist trotzdem nicht untätig. So finanzieren wir aktuell die Teilnahme an einen Social-Media-Workshop für Mitarbeitende der Stadtrevue. Und bereits in Arbeit ist die Recherche zum Mülheimer Süden, die vom Verein mit 1.500 Euro unterstützt wird. Da geht es um ein riesiges Baugebiet, auf dem unter anderem 4.500 Wohnungen entstehen sollen, auf dem aber schon seit Jahren so gut wie nichts passiert. Geht es wieder einmal um Spekulation? Die Antwort darauf steht voraussichtlich im Mai-Heft.
Wir sind deshalb all denen sehr dankbar, die unsere Arbeit mit ihren Mitgliedsbeiträgen oder Spenden unterstützen, obwohl die Unterstützung des Hundesport steuerlich günstiger wäre.
Beste Grüße aus dem Vereinsleben!
Jürgen Salm
Spenden immer herzlich willkommen:
Auf unserer Homepage gibt es dafür einen Spenden-Button:
www.stadtrecherche.de
Antrag auf Mitgliedschaft:
info@stadtrecherche.de

