Spannende Diskussion zum Bau-Stillstand im Mülheimer Süden
Das Fazit von Wolfgang Tuch fiel eindeutig aus. Die Stadt müsse einen nachhaltigeren Umgang mit dem Boden finden, sagte der stellvertretende Leiter des Stadtplanungsamts. Dem Statement waren rund zwei Stunden Diskussion zum Baugebiet Mülheim Süd vorausgegangen. Der Förderverein der Stadtrevue, Stadtrecherche e.V., hatte am 3. September eingeladen, sich mit Experten und Aktivisten auszutauschen. Sozialraumkoordinator Marius Henne stellte dafür die Räume des Stadtteiltreffs in der Adam-Stegerwald-Siedlung zur Verfügung. Journalistin Anke Bruns moderierte einen dichten Abend und sorgte dafür, dass sich niemand in Allgemeinplätze oder abstrakten Nonsens flüchten konnte.
Der Veranstaltung lag die Recherche zugrunde, die vom Verein mit 1.500 Euro finanziert wurde und im Juniheft erschienen war. Die Stadtrevue-Autoren Bernd Wilberg und Philipp Haaser hatten sich Grundbücher angeschaut, Handelsregister durchforstet und andere Informationen zusammengetragen. Der Ökonom Dirk Löhr von der TH Trier half ihnen bei der Interpretation und war auch einer der Experten, die die Erkenntnisse dem Publikum näherbrachten.

Vor den Augen der rund 100 Besucher:innen bewertete Löhr das Geschehen. Seit 2013 gibt es Pläne, das ehemalige KHD-Areal zu bebauen. Tausende Wohnungen könnten entstehen. Einige der Grundstücke wurden indes in erster Linie als Finanzierungsinstrumente genutzt. Lediglich einige Bürogebäude sind fertig. Auf anderen Grundstücken hat sich trotz Baugenehmigungen überhaupt nichts getan – eine Folge von Spekulation? Für manche Grundstücke liegt der Schluss nahe. Von den beteiligten Projektentwickler und Investoren wollte niemand der Einladung zur Diskussion folgen.
Lange fokussierte sich die öffentliche Debatte auf das Otto-und Langen-Quartier, das teilweise der Stadt und teilweise dem Land NRW gehört. Dass der Stillstand viel mehr Grundstücke betrifft, hat bei manchen Besucher an diesem Abend Frust ausgelöst. Dabei steht das Gebiet möglicherweise vor einer Wende.
Vincent Morawietz, Mülheims jungen SPD-Bezirksbürgermeister, wollte sich nicht beirren lassen. Sicher sei eine Gemeinwohlorientierung, wie im Otto-und-Langen-Quartier von zivilgesellschaftlichen Initiativen gefordert, für das gesamte Areal wünschenswert und wo immer möglich, solle sie angestrebt werden. „Aber ich bin froh, wenn überhaupt endlich mal gebaut wird“, sagte er. Wolfgang Tuch verwies auf eine Einigung im Streit zwischen einer Werft im Mülheimer Hafen und der Stadt, die einen Baubeginn in den hafennahen Baufeldern ermöglichen würde. Hoffnung macht auch der Verkauf eines anderen Grundstücks an eine Genossenschaft. Ob das allerdings auch heißt, dass die stark renditeorientierten Investoren bald mit dem Bauen beginnen, blieb offen.

